Christliche Kultur Äthiopiens
Klöster
Kirchenschulen


DIE INSTITUTION DER ÄTHIOPISCHEN KIRCHENSCHULEN

In der äthiopischen orthodoxen Kirche besteht eine Trennung zwischen Kirche und Schule: Verwaltet wird die Kirche durch das Patriarchat in Addis Abeba, das Lehramt jedoch, das für die Erhaltung der Tradition und des Traditionswissens sorgt, wird von den Kirchengelehrten getragen. Viele unter ihnen gehören dem Klerus an und sind Mönche; eine Besonderheit in der Kirche Äthiopiens ist der gelehrte Laienstand der Däbtäras (der möglicherweise auf den Stand der Leviten zurückgeht), die in eigenen Schulen ihr Wissen weitergeben. Diese Kirchenschulen sind hierarchisch strukturiert und zeichnen sich durch eine Fächervielzahl aus. Sie sind entweder einer Kirche oder einem Kloster angegliedert. Berühmte Schulen haben sich auf ein bestimmtes Fach spezialisiert. Die Schüler kommen aus ganz Äthiopien zum Erlernen dieses bestimmten Faches zu dieser Schule. So ist die Kirchenschule von Suramba berühmt für Deggwa-, die des Klosters Bethlehem Täklähaymanot in Gayent für Zema-Studien, beides Fächer der äthiopischen Kirchenmusik.

Die gesamte Ausbildung dauert etwa 30 Jahre, deshalb studieren viele nur einige Jahre und spezialisieren sich auf ein Fach; manche setzen in späteren Jahren ihr Studium fort. Der Lernstoff wird oral tradiert. die Unterrichtsmethode ist fast ausschließlich auf der Memorisation aufgebaut. Das Ziel der Ausbildung ist das Fortbestehen der Tradition, das nur erreicht werden kann, wenn der Lehrstoff unverändert weitergegeben wird. Bücher werden selten benutzt, so z.B. im Nebab Bet zum Lesenlernen. Die Unterrichtssprachen sind Ge'ez und Amharisch.

Die Lehrer werden für ihre Tätigkeit nicht bezahlt, sondern leben entweder von den Erträgen ihrer Felder, von Schreibarbeiten oder sie werden von der Gemeinde unterstützt. Die Schüler, die tamari, sind in Äthiopien als „Bettelstudenten“ bekannt. Sie lösen sich früh von ihren Familien, ziehen zur Schule und erbetteln sich dort täglich ihre Mahlzeiten von den Menschen der Umgebung und wohnen in selbsterbauten Hütten. Nach Abschluß einer Schulstufe erhalten sie ein Zertifikat und können zur nächsten Schule ziehen.

Eine ausführliche Darstellung findet man in: http://www.tabor-society.de

A. Marx u. F. Dworschak im März 2007

Kirchenschüler vor ihren Tukuls
Kirchenschüler
Kirchenschüler lernen m Freien
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