Christliche Kultur Äthiopiens
Geschichte
Äthiopische Orthodoxe Kirche

Im 6. Jahrhundert kamen flüchtende syrische Mönche ins Land, die Klöster gründeten. Sie begannen, die Bibel aus dem Griechischen in die Landessprache Ge’ez. zu übersetzen und missionierten das Volk. Bis ins 17. Jh. war die schon im Reich von Aksum entwickelte Sprache Ge’ez Landessprache. Sie wurde vom Amharischen abgelöst. blieb aber - unserem Latein vergleichbar - bis heute die Kirchensprache.

Durch Schenkung des Kaisers wurde die orthodoxe Kirche Äthiopiens 1268 (Wiedereinsetzung der Salomonischen Dynastie) rechtmäßiger Inhaber von einem Drittel des Landbesitzes im ganzen Reich. Damit war die wirtschaftliche Grundlage der Kirchen und Klöster bis zur Revolution 1974 gesichert. Die Kirche stand mit dem Staat in enger Verbindung. Äthiopiens christliche Kultur wurde seit dem 4. Jh. durch die Kirche erhalten; die Kirchenschulen tradierten Liturgie und Kirchenwissen von Generation zu Generation. Diese Schulen sind Klöstern oder Kirchen angeschlossen und verfolgen ein religiös ausgerichtetes Lehrziel. Eine typische äthiopische Kirche ist außen rund und hat innen einen quadratischen Raum, der das Allerheiligste bildet. In diesem Raum wird der "Tabot" aufbewahrt, eine Nachbildung der Bundeslade, der nur bei hohen kirchlichen Festen aus der Kirche feierlich herausgetragen wird.Im Laufe der Jahrhunderte entstand eine vielfältige Literatur. die uns erst in Bruchteilen durch Übersetzungen zugänglich ist. Die Liturgie ist das Lebenszentrum der orthodoxen Kirche: Hier entfaltet sich alle Künste zum Lobe Gottes. Der Kirchentanz Aquaquam wird von zwei sich gegenüberstehenden Sängerreihen getanzt und von Trommel und Sistren begleitet. Die Predigt wird an Festtagen in Versform vorgetragen und von einem Sängerchor respondiert. Weihrauch, der auch im Alltag viel gebraucht wird, füllt den Kirchenraum mit seinem Duft. Ein langer äthiopischer  Gottesdienst ist ein Erlebnis für alle Sinne.

Die Kunst des Pergamentmachens, des Buchschreibens, -malens und der Buchherstellung wird bis auf den heutigen Tag gepflegt. Die frühesten Manuskripte stammen etwa aus dem 11. Jahrhundert. Jedes Kloster und manche Kirche verfügt über eine solche oft gut versteckte Bibliothek. Die orientalische Erzählfreude spiegelt sich in Farbe auf den Kirchenwänden der außen oft unscheinbar wirkenden äthiopischen Rundkirchen: Die Wände des inneren, quadratischen Raumes sind häufig in leuchtenden Farben bemalt. In unzähligen Bildern werden die Geschichten des Evangeliums und der Heiligen den Gläubigen sinnenfällig gemacht. Eine weitere Form der Malerei (seit dem 15. Jh.) ist die Ikonenmalerei auf Holztafeln. Die äthiopische Malerei hat anfangs byzantinische Formen aufgegriffen und zu etwas sehr Eigenständigem umgeschaffen. Diese hohe Fähigkeit zur Inkulturation zeichnet sie auch in den weiteren Jahrhunderten aus, die syrische, koptische, nubische, indische und westliche Einflüsse ins Land brachten: Äthiopier übernahmen immer Teile davon, schufen jedoch Eigenständiges.

A. Marx und F. Dworschak im März 2007 <annemarx@dworschak-marx.de>

Typische äthiopische Rundkirche in Ura Kidana Meherat am Tanasee
Manbara Tabot, Schrein zur Aufbewahrung des Tabots

Wandmalerei in der Kirche in Ura Kidana Meherat am Tanasee

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