Christliche Kultur Äthiopiens
Geschichte
Christliche und jüdische Wurzeln
Das Reich von Aksum (Vorgängerin des heutigen Äthiopien und Eritrea) lag am Rande der antiken Mittelmeerkultur, es stellte eine Handelsmacht dar, die den Indienhandel des Römischen Reiches kontrollierte. In diesem Reich war die jüdische Religion bekannt; die Bibel selbst berichtet in Apg 8,26-40 über die Taufe des ersten Äthiopiers (der vermutlich aus dem benachbarten Nubien stammte): Der Kämmerer der Königin Kandake befand sich auf einer Wallfahrt nach Jerusalem und las in der Jesajarolle, was eine Zugehörigkeit zum Judentum voraussetzt. Auf dem Weg nach Jerusalem traf er auf den Diakon Philippus, der ihm ein neues Verständnis des alten Textes vermittelte und ihn schließlich taufte. Münzen bezeugen die Annahme des Christentums durch König Ezanas, der um das Jahr 347 das Christentum zur Religion des Hofes erhob, das es bis zum Sturz Kaiser Haile Selassies im Jahre 1974 blieb.

Das Buch Kebra Nagast (Die Herrlichkeit der Könige) wurde im 14. Jh. schriftlich gefasst und berichtet die Legende der Königin von Saba und König Salomo, deren gemeinsamer Sohn Menelik der Begründer des äthiopischen Herrscherhauses der Salomoniden wurde.
Menelik raubte die Bundeslade und brachte sie von Jerusalem nach Aksum.

In Äthiopien wird die Legende in vielen Bilderzyklen gemalt, für Touristen gehörte es in den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu den Mitbringseln einer Reise. Inzwischen gibt es sogar Seidentücher mit den Szenen der Legende zu kaufen.

Bis heute ist ungeklärt, wie jüdische und christliche Wurzeln sich in der Tradition der äthiopischen Kirche verflochten haben; ihr Selbstverständnis als "Neues Volk Zion", dessen "Neues Jerusalem" in der alten Kaiserstadt Aksum liegt, besitzt eine eschatologische Dimension. In Aksum wird nach äthiopischer Tradition die alttestamentliche Bundeslade seit der Zeit Salomos in der Kirche Maria Sion als kostbarer Schatz gehütet.
Beide Traditionen verbinden sich in der eigentümlichen Zusammensetzung des äthiopischen Psalters.

A. Marx u. F. Dworschak im März 2007

Königskronen aus Aksum
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