Christliche Kultur Äthiopiens
Buch- und Maltradition
Buchkultur
HANDSCHRIFTEN - Die Herstellung von Büchern

Bereits im 1. Jahrhundert begann man das Evangelium und die Lehre der Kirche schriftlich festzuhalten. Das Buch des Evangeliums ist das wichtigste Medium in der Verkündigung der Kirche, deshalb wurde seit frühester Zeit besondere Sorgfalt auf das Herstellen von Büchern gelegt. Diese Aufgabe übernahmen in erster Linie die Skriptorien (Schreibwerkstätten) der Klöster.

In Äthiopien wurde das Evangelium um das 6. Jahrhundert in die damalige Landessprache Ge’ez übersetzt. Aus dieser Zeit sind uns keine Handschriften mehr erhalten. Die ältesten erhaltenen Handschriften stammen aus dem 13. Jahrhundert; obwohl das Patriarchat in Addis Abeba seit dem frühen 20 Jh. eine eigene Druckerei betreibt, werden bis auf den heutigen Tag noch Bücher aus Pergament von Hand geschrieben und gebunden.

Die meisten Bücher in Äthiopien sind nicht mit Bildern illuminiert, sie dienen in erster Linie dem Erlernen des Textes (Psalter). Typischer Schmuck eines wertvolleren äthiopischen Manuskriptes sind die Harägs, Zierleisten in oft kunstvollen Flechtformen und kleine gezeichnete Schnörkel und Vignetten.

Die Grundlage eines jeden von Hand gefertigten Buches ist das Pergament. Es wird heute meist aus Ziegenhaut hergestellt. Die abgezogene Haut wird einige Tage in Wasser, dem Kalk zugesetzt wird, eingeweicht. Danach werden Fell und Fleischreste abgeschabt und die Haut zum Trocknen in ein Gestell aus Ästen eingespannt und senkrecht zum Trocknen aufgestellt; anders ist das bei Häuten, die für Felle gebraucht werden, diese werden an Pflöcken über den Boden zum Trocknen ausgespannt. Nach dem Trocknen wird das fertige Pergament mit Bimsstein geschliffen und zugeschnitten. Dann kann es beschrieben werden.

Diese Arbeit wird seit vielen Jahrhunderten in gleicher Weise ausgeführt. Der Schreiber sitzt auf dem Boden oder einem kleinen Hocker. Zuerst ritzt er mit einem Eisengriffel und einem kleinen Lineal Linien für Spalten, Schriftspiegel und die Zeilen in das Pergament der zugeschnittenen Seiten, dann beginnt er mit der Schreibarbeit. Dabei hält der Kalligraph das Pergament auf den Knien, wie es die Abbildungen der schreibenden Evangelisten aus den äthiopischen Evangeliaren zeigen. Das Tintenhorn (qäläm kend) mit der aufgelösten Tinte steckt fest im Boden. Mit der vorbereiteten Feder aus shambuko (Arundo donax) zieht er in großer Kunstfertigkeit Buchstaben für Buchstaben. Rote Tinte wird für besonders wichtige Wörter und Passagen benutzt, Schwarz für den normalen Text. Es gibt Bücher, in denen jeder Buchstabe besonders sorgfältig in unterschiedlichen Farben geschrieben wurde.

Äthiopische Bücher sind meistens in Holzdeckel gebunden, die auch mit Stoff oder mit Leder bezogen sein können. Das Leder ist gelegentlich rot gefärbt und häufig mit punzierten Mustern versehen. Vor allem Psalter, der das meistgenutzte Buch Äthiopiens sein dürfte, werden häufig in einer Ledertasche (mähdar) getragen, die aus zwei Schubteilen besteht und einen guten Schutz bei den Wanderungen des Besitzers darstellen.

A. Marx u. F. Dworschak im März 2007

Ganzseiten - Haräg
Pergament auf Holzgestell
Schreibender Evangelist
Schreiber mit Feder
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