Christliche Kultur Äthiopiens
Buch- und Maltradition
Ikonenmalerei

Die Tafel- oder Ikonenmalerei

Die erst mit dem 15. Jahrhundert einsetzende Tafel-oder Ikonenmalerei kennt kaum Einzeltafeln, fast immer sind es Diptychen oder Triptychen. Das verwendete Holz ist sehr standfest; bekannt ist die Verwendung von wanza (Cordia Africana), ted (Juniperus procera und kosso (Hagenia abyssinica). Die alten Ikonentafeln wurden aus einem Stück geschnitten. Aus einem Stamm wurde ein Block geschnitten, dieser auf der Schmalseite längs geteilt, um zwei Platten zu erhalten. Die Fläche jeder Platte wurde bis auf einen schmalen Rand etwa 1-2 cm mit dem Messer ausgetieft und - für ein Triptychon - eine dieser Platten geteilt. Der Rand liegt bei den Seitentafeln eines Triptychons innen, da er zum Befestigen der Schnüre benötigt wird, die als Scharnierverbindung dienen Für diese Schnurverbindung wird er schräg angebohrt, um die Befestigung weitgehend unsichtbar zu halten. Selten findet man auch Ösen aus Metall. Die entstandenen Tafeln wurden entweder direkt mit einem Leim-Gips-Gemisch grundiert oder zuerst mit dünnem Mullstoff (shash) beklebt und dann oft beidseitig grundiert. Die späten Ikonen aus dem 19. und 20. Jh. sind häufig nicht mehr aus einem Stück geschnitzt, sondern aus verschiedenen Brettern (auch Kistenbretter) und Leisten zusammengesetzt; sie sind auch gelegentlich mit gröberem shamma- Stoff bezogen, der oft schlecht auf dem Untergrund fixiert ist. Nach dieser Grundierungsarbeit kann das eigentliche Malen mit den Farben beginnen.

Lit.:
Chojnacki Stanislaw, Ethiopian Icons, Skira, Milano 2000, ISBN 88-8118-646-2 (Wissenschaftlicher Katalog der Sammlung des Institute of Ethiopian Studies, Addis Ababa), Wisshenschaftliche Publikation des besten Kenners äthiopischer Ikonen
Marx Annegret, Das Leben Jesu im Spiegel der Kirchenmalerei Äthiopiens Br. Heft zur Fotoausstellung Bilder, Bibeltexte und Erläuterungen, allgemeinverständlich im Museum Haus Völker und Kulturen erhältlich

A. Marx u. F. Dworschak März 2007

Triptychon der frühen Gondar-Zeit 17. Jh.
Diptychon der frühen Gondar-Zeit 17. Jh.
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