Kulturhistorische Woche Rothenfels am Main – 17.-21. Februar 2016
Die Königin von Saba – Manuskript

Die Bibel überliefert uns das Ereignis einer Königin des Südens im 1. Buch der Könige, 1-13;  und im 2. Buch der Chronik, 9, 1-2. Erstmals schriftlich gefasst wurde die Legende im 8.-7. Jh. v. Chr. Dieser sehr alte, grandiose Stoff von Liebe, List und Leidenschaft aus der orientalischen Mittelmeertradition wanderte über Arabien, Persien bis nach Indien. Ihre Geschichte wurde seitdem erzählt, gemalt, gesungen und verfilmt.

1749 London
1875 Wien
1959 USA
Georg Friedrich Händel Karl Goldmark Monumentalfilm

Solomon (HWV 67) Oratorium

Die Königin von Saba
Oper

Solomon and Sheba

Orientalismus-Begeisterung des späten 19. Jh. (Gemälde)
Eine der meist gespielten Opern der Jahrhundertwende

Gina Lollobrigida und Yul Brynner als Liebespaar in der Antike.

Ouvertüre

Caruso, Act. II, 7.Nov., 1909

Die beiden Audiodateien erfordern einen Browser mit QuickTime Plugin. Unter- strichener Text ist ein Link.

Im 13. Jh. kam die Legende nach Äthiopien, wurde aus dem Koptischen ins altäthiopische Ge’ez übersetzt und wurde als Kebra Negast der Gründungsmythos der äthiopischen Kirche und der Salomonischen Dynastie.

Kurzfassung der Legende:

Eine Schlange herrschte Jahrhunderte lang über Stadt und Reich Aksum und forderte regelmäßig eine erstgeborene Tochter als Tribut. Schließlich besiegte Agabos sie durch eine List und wurde König. Seine Tochter Makeda wurde die Königin des Südens: Sie ist die Königin von Saba, von der die Bibel berichtet, daß sie zu König Salomo nach Jerusalem reiste. Durch eine List Salomos wurde die Königin von ihm schwanger und gebar, nach Äthiopien zurückgekehrt, einen Sohn, den sie Menelik nannte. Dieser besuchte als junger Mann seinen Vater. Salomo wollte ihn zum König über Israel machen, doch Menelik bestand auf der Rückkehr. Da krönte ihn der Vater zum König von Äthiopien und gab ihm die erstgeborenen Söhne der Ältesten seines Reiches mit auf den Weg. Diese wollten aber nicht ohne die Bundeslade ziehen und entführten sie – ohne Wissen Meneliks – aus dem Tempel und brachten sie nach Aksum; dort wird sie noch heute in der Kirche Maryam Seyon aufbewahrt. Königin Makeda nahm die jüdische Religion an und machte den Sohn des Jerusalemer Hohenpriesters Sadok zum Hohenpriester.

Die äthiopische Kirche versteht sich als Neues Israel, neues Volk Gottes und der Kaiser galt als direkter Nachkomme der Königin von Saba und König Salomon.

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts blieben die einzelnen Episoden des berühmten Kebra nagast ausschließlich schriftlich erfasst, es gab keine Bilder. Das Volk konnte nicht lesen und tradierte die einzelnen Episoden mündlich – wie es in Äthiopien üblich war.

Nachdem im Sieg der Äthiopier in der Schlacht von Adua 1896 dem Kolonisationsversuch der Italiener Grenzen gesetzt waren, verlegte Kaiser Menelik II seinen Hof nach Addis Abäba. Er baute  und verstärkt internationale Beziehungen auf, holte Techniker, Ärzte und Diplomaten ins Land. Viele Botschaften wurden in dieser Zeit errichtet.

Nachdem im Sieg der Äthiopier in der Schlacht von Adua 1896 dem Kolonisationsversuch der Italiener Grenzen gesetzt waren, verlegte Kaiser Menelik II seinen Hof nach Addis Abäba. Er baute  und verstärkt internationale Beziehungen auf, holte Techniker, Ärzte und Diplomaten ins Land. Viele Botschaften wurden in dieser Zeit errichtet.

Die Deutsche Botschaft

Um den Kaiserhof entfaltete sich ein gesellschaftliches Leben. Man traf sich zu Festlichen Gottesdiensten, aufregenden Ereignissen und großen Banketten. Zwar gab es schon die Fotografie, aber es gab die Maler, die für die Kirchenmalerei ausgebildet waren und die ebenfalls für die Botschaften Arbeiten übernahmen. Bilder waren als zeremonielle Geschenke sehr beliebt.

Deutscher Botschafter Fritz Weiß 1928 - Grußkarte

Buch über Saba

Wahrscheinlich war es der Schriftsteller Robert Hugue LeRoux, der die Idee für eine Illustration hatte; er bestellte im Jahre 1901 eine Serie von fünf Szenen der Legende als Illustration für sein Buch Magda Queen of Sheba, bei dem Maler Mikael Engeda Werq. Der russische Diplomat A. Kohanovskij erwarb kurz darauf ein weiteres Gemälde mit vier Szenen, das heute in der Kunstkammer in St. Petersburg ist.

Die Krönung Haile Selassies holte viele internationale Gäste ins Land und lenkte erneut die Aufmerksamkeit auf das exotische Kaiserreich und die Geschichte der salomonischen Dynastie. Im Laufe weniger Jahre wurden die Bilder der Legende der Königin von Saba und ihrem Sohn Menelik ein Riesenerfolg und die unterschiedlich langen cartoon-artigen Serien entwickelten sich zum meist gekauften Reise-Andenken unter den ausländischen Gästen.

Traditionelle Maler wurden durch Geschenke und Landbesitz entlohnt, denn alle Malerei gehörte entweder der Kirche, dem Kaiser oder dem Hof. (Es geht die Sage, dass der Kaiser Yohannes dem Maler von der wunderschön ausgemalten Kirche Mahädere Maryam beide Hände abhacken ließ, damit er nirgendwo anders mehr malen konnte).

Die Bezahlung einer Malerei in Geld bedeutete einen entscheidenden Wandel in der traditionellen Kunst Äthiopiens: Bilder waren nicht mehr Tauschobjekte, sondern wurden Handelsware im kapitalistischen Marktgeschehen, sie wurden Konsum für Geld. Gleichzeitig hatte ein weiterer Wandel stattgefunden: Hatten bislang die Maler die meisten Farben aus Erden und Pflanzen selbst hergestellt, wurden Ende des 19. Jh. synthetische Farben eingeführt. Dies erleichterte die Gestaltung großformatiger Malerei und ermöglichte schließlich eine Massenproduktion.


Dieser Erfolg inspirierte die Maler, die weitere Themen in cartoon-artigen Serien schufen, für den kleinen Geldbeutel vieler Touristen aber auch kleine Einzelbilder auf Pergament herstellten.


Die Nachfrage war so groß, dass schon in den 1920er Jahren die ersten Malmanufakturen gegründet wurden. Eine Manufaktur gehörte zur Empress Menen Handicraft School (gegründet 130/31), sie wurde während der italienischen Besatzungszeit geschlossen und 1941 wieder eröffnet. Hier kopierten die Schüler entweder das vom Lehrer gemalte Bild oder füllten der Reihe nach die vorgezeichneten einzelnen Farbflächen aus. Die Lehrer signierten auch die Arbeiten ihrer Schüler, so dass eine Signatur nur in eingeschränktem Maße ein Original garantiert.

Währen der italienischen Besatzungszeit (1936–41) wurden auch Lokale, wie tejj-bets mit großformatigen Bildern ausgeschmückt. Erst nach der Besatzungszeit setzte in der Zeit ab 1950 – 1974 mit dem aufkommenden Touristenboom der eigentliche Prozess der Kommerzialisierung ein. Die Malereien für die Touristen aus den Werkstätten wurden auf dem Mercato verkauft. Die guten Maler gaben ihren Wohnort nicht preis und blieben im Verborgenen.

Eine weitere seltene Darstellung ist das Leben des Königs Lälibäla.

Eine schöne Arbeit schuf Sälomon Bälaccäw in den 60er Jahren: Es dokumentiert das Leben des Olympiasiegers Bikila Abbäbä.

Nach 1978 wurde die Empress Menen Handicraft School unter dem Namen Handicrafts of Ethiopia für die Ethiopan Tourist trading Corporation (ETTC, seit 1992 ETTE - Eth. Tourist Trading Enterprise) weitergeführt. Sie liegt in der Nähe des Flughafens und verkaufte auf dem Flughafen u.a. Tafelbilder aus Holz, Pergamentbilder mit traditionellen Szenen, Lampenschirme mit aufgemalten Kreuzen. Heute gibt es sicher weitere Läden, so in Hotels wie dem Hilton und anderen. Heute gibt es Künstler, die an der Fine-Arts-School (gegründet 1958) in traditioneller Kunst ausgebildet wurden und die auch für einen gehobenen Markt arbeiten.

Die Darstellung der Geschichte der Königin von Saba und ihrem Sohn Menelik ist immer noch ein Favorit:


Ich konnte im Jahre 2000 gestickte Kissen mit Einzelszenen von einer Beta-Israel-Werkstatt erwerben, eine Ergänzung zu meinem Seidentuch, das ich in den 90er Jahren erworben hatte – es war übrigens nach äthiopischem Design in Japan produziert worden.