Christliche Kultur Äthiopiens
Kreuze
Kreuzformen
Formen äthiopischer Kreuze

Die älteste und erste Grundform ist das gleichschenklige Kreuz (griechische Kreuz), umgeben von einem Kreis. Es symbolisiert Christus als den Herrn der Welt. Es war das Kreuz der Mönche in Oberägypten und wurde wahrscheinlich durch den Hl. Pachomius, den Vater des christlichen Mönchswesens in Ägypten, dort eingeführt. Die Gruppe der "Havaria"- Kreuze (Kreuz-im-Kreis) stammt von dieser Form. Die Form des Quadrates, das in vielen Kreuzen gefunden wird, bezieht sich auf die vier Enden der Erde, (Offb. 7,-1-3) Die zweite wichtige Grundform der äthiopischen Kreuze stellt das lateinische Kreuz oder ungleichschenklige Kreuz dar. Die Vortragekreuze in frühen Abbildungen in äthiopischen Manuskripten zeigen diese Form, ebenso das Vortragekreuz des Abba Salama, des ersten Bischofs in Äthiopien im 4. Jahrhundert. Aus diesen beiden Grundformen entwickeln sich weitere Variationen, wenn man eine Linie, gebogen oder gerade, um die Enden der Kreuzbalken legt. Die Gruppe der "Longinus"- Kreuze hat als Grundform das lateinische, ungleichschenklige Kreuz und erinnert an den Speer des Longinus, der Jesu Seite öffnete. Ein weiteres wichtiges Grundelement bildet die Diagonale. Die Diagonalen als griechischer Buchstabe X gehört zu einem frühen Zeichen der Christenheit, es ist das erste christliche Zeichen auf einer aksumitischen Münze.

Die verschiedenen Landschaften Äthiopiens haben unterschiedliche Formenkreise bevorzugt:
_ Gondar variiert ein Kreuz, das aus einem Quadrat eine Kreuzblume entwickelt, deren Balken in Widderhornformen endet.
_ in Lalibela ein Oval mit Schlangenformen,
_ Wollo runde Formen
_ in Begemder ein quadratisches Kreuz mit Vögeln,
_ in Aksum ein ungleichschenkliges Kreuz mit reichem Flechtwerk und die Rhombenform;
_ in Shoa das Malteserkreuz bzw. der Davidsstern und das Salomonssiegel,
_ in Gojjam das Speerform- oder Longinuskreuz.

Die Formen haben sich im Laufe der Jahrhunderte zwar erhalten, jedoch auch geändert und vermischt. Es ist schwer, Kreuze genau einer Zeit oder Landschaft direkt zuzuordnen. Eine Reihe weiterer Formen ist auf den Seiten:Hochlandkreuze, Enkolpien (hohle Kreuze) und verschiedene Kreuze zu sehen. Die zur Herstellung der äthiopischen Kreuze verwendeten Materialien sind Eisen, Kupfer, Bronze, Messing, Silber, Gold, auch aus Holz und Stein. Die frühesten bekannten Kreuze sind aus Kupfer oder Bronze hergestellt. Erst nach der Einführung des Maria-Theresien-Talers, etwa seit dem Bau des Suezkanals (1869 eröffnet), wurden vor allem Halskreuze aus Silber hergestellt; seit dem 20. Jh. wird für Handkreuze auch Neusilber verwendet. Kreuze werden zumeist gegossen. Es gibt das Verfahren des „halben Gusses“, bei der die Form nur halb eingebettet wird, und viele andere Techniken wie Drahtauflötungen und Filigranarbeiten. Die wichtigste Herstellungsmethode für äthiopische Kreuze ist das Wachsausschmelzverfahren oder 'lost form’. Diese so hergestellten Kreuze sind einmalig, auch bei gleichen Mustern.
In der amharischen Sprache hat diese Technik in der kunstvollen Rede von "Wachs und Gold" ihren Niederschlag gefunden: Der gebildete Amhare liebt es, in Redewendungen zu sprechen, die eine doppelte Bedeutung besitzen: Nur dem Kundigen wird der verborgene "Gold"- Sinn der "Wachs"- Rede erschlossen.

Nur dem Kundigen und Gläubigen wird auch der Sinn und die Bedeutung der äthiopischen Kreuze verständlich. Das gemeinsame Zeichen aller Christen in Vielfalt und Reichtum der äthiopischen orthodoxen Tradition ist ein Zeugnis tiefer Frömmigkeit und ein wichtiger Beitrag zur christlichen Kultur der Welt.
und Symbolik
Darüber hinaus verknüpft die äthiopische Tradition in der Gestaltung der Kreuze wichtige Symbole wie Lebensbaum, Schlange und Vogel, sowie eine gewisse religiöse Zahlensymbolik:

_ 4 ist die Zahl der Evangelisten, die Zahl der Enden der Erde und der 4 Winde,
_ 5 ist die Zahl der Wunden Christi, in Äthiopien ebenfalls der Nägel Christi,
_ 12 ist die Zahl der Apostel und auch die Zahl der Stämme Israels
_ 13 ist die Zahl der 12 Apostel und Christus.

A. Marx u. F. Dworschak im März 2007

Kreuz im Kreis
Kreuze in lat. Form
Longinuskreuz
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