Christliche Kultur Äthiopiens
Buch- und Maltradition
Die Maler
Die Ausschmückung der besonders kostbaren Manuskripte, die Illumination, die Malerei auf der Kirchenwand und die Herstellung von Ikonen war den Malern vorbehalten.

„Wenn du malen willst, mußt du nach Gondar gehen“, sagte man früher in Äthiopien. Während der Zeit der furchtbaren Verwüstungen im christlichen Hochland durch Mohammed Granj, der 1543 mit Hilfe der Portugiesen besiegt wurde, fiel ein großer Teil der Kirchen, Klöster und Bibliotheken der Zerstörung zum Opfer. Mit der Gründung der ersten festen Hauptstadt durch Kaiser Fasiladas (1632-1667) belebten sich große Werkstätten und Skriptorien in der Gegend um Gondar. Viele Bibliotheken mußten wieder aufgebaut und mit neuen Büchern versehen werden. In der frühen Gondar-Periode entstand ein neuer, klarer Malstil; dieser unterscheidet sich deutlich von der späten Gondar-Periode aus der Zeit der Königin Mentewwab (1730-1755). Die späte Gondar-Periode bevorzugt andere Physiognomien, (so verändert sich die Gesicht der Gottesmutter und wird rund) und die Gewänder werden reich dekoriert. Noch heute hat Gondar einen guten Ruf, wenn es um kirchliche Ausbildung geht.

Eine solche Ausbildung zum traditionellen Maler war besonders lang, ein junger Mönch oder Schüler begann als Lehrling unter der Anleitung eines erfahrenen Meisters. Die Techniken wurden Schritt für Schritt erlernt, das Herstellen von Pinseln und Farben, die Bereitung der Malgründe und die Vorbereitung der Ikonentafeln. Das meiste Werkstattwissen wurde mündlich weitergegeben; obwohl es einige Musterbücher aus der Gondar-Periode gibt, fehlen bislang Rezeptsammlungen wie sie z.B. mit der aus dem frühen Mittelalter stammenden „Mappae clavicula“, u.a. in Europa bekannt sind. Die meisten Maler bleiben anonym, erst mit Beginn der Volksmalerei begannen die Künstler ihre Arbeiten zu signieren.

Es gibt viele Geschichten von Malern; Geschichten wie die vom Maler Za-Yohannes, der die Kirche in Mahedärä Maryam für Kaiser Yohannes IV. ausgemalt hat: Die Kirche wurde so einzigartig schön, daß der Kaiser befahl, dem Künstler beide Hände abzuhacken, damit er nie wieder eine solch wunderbare Malerei schaffen konnte. Man erzählt, Za-Yohannes habe mit den Füßen weitergemalt...

A. Marx u. F. Dworschak im März 2007

Schloss des Fasiladas in Gondar
Früher Gondarstil
Später Gondarstil
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