Christliche Kultur Äthiopiens
Geschichte

Soziokulturelles Umfeld

Lebenshintergrund

Die Hoffnung auf Erlösung, welche der Glauben des Christentums eröffnet, wird seit seinem Beginn vor zwei Jahrtausenden konkret von Menschen gelebt. Ihr Lebensumfeld und der Gang der Geschichte beeinflussen die Prägung und die Entwicklung ihres Glaubens. Die Kirche als Institution ist eingebunden in diese soziokulturellen und historischen Prozesse und entfaltet ihre Gestalt durch die Zeiten hindurch: Ihr Ziel und Zweck ist die Erhaltung und Weitergabe des von den Vätern überkommenen Glaubens.

Äthiopien hat einen eigenen Weg eingeschlagen, in dem sich christliche, jüdische (mediterrane) und heidnische (afrikanische) Elemente vermischten.

Das Leben in der rauhen und unzugänglichen Natur des äthiopischen Hochlandes prägte die bäuerliche Bevölkerung, die bis in unsere Zeit hinein überwiegend in Einzelgehöften lebte. Die Menschen trafen sich zu den Festtagen im Hof der Kirche. So waren die Kirche und ihre Liturgie für sie ein Zentrum der religiösen, kulturellen und sozialen Kommunikation.

Christentum im Hochland von Äthiopien

In Apg. 2, 28-40 wird die Taufe des Kämmerers der äthiopischen Königin Kandake berichtet.  Dieser muß jüdischen Glaubens gewesen sein, denn er befand sich auf der Wallfahrt nach Jerusalem, und las in einer Jesaja-Rolle, als er den christlichen Diakon Philippus traf. Der Begriff „Äthiopien“ bezog sich damals auf einen viel weiteren geogra-phischen Raum als heute.  Die äthiopische Tradition führt die jüdischen Elemente in Kirche und Kultur auf die Verbindung der Königin von Saba mit König Salomon zurück, ihrer beider Sohn Menelik I. gilt als Begründer der „Salomonischen Dynastie“.

Die Annahme des Christentums am Hofe in Aksum durch König Ezanas erfolgte in der 1. Hälfte des  4. Jh. Im 6. Jh. kamen syrische Mönche, die sog. „Neun Heiligen“ ins Land. Sie missionierten, gründeten die ersten Klöster und begannen, die Hl. Schrift in die damalige Landessprache Ge’ez zu übersetzen (Geschichte).

Das alltägliche Leben

Das bäuerliche Leben im Hochland von Äthiopien erfordert harte Arbeit. Haus und Geräte werden aus den Materialien geschaffen, welche die Natur bietet. Die Wände eines Hauses, eines tukuls, bestehen aus Zweigen, Lehm, der mit Kuhdung vermischt wurde, das Dach aus vielen dichten Lagen von Gras. Eine Familie besitzt meistens mehrere tukuls, die von einem Zaun aus Dornenpflanzen zum Schutz vor wilden Tieren umgeben sind.
Die Feuerstelle befindet sich außerhalb des Wohnhauses in einer eigenen kleinen Hütte; das Wasser muß in großen runden Krügen häufig weit entfernt geholt werden. Hausarbeit ist Sache der Frauen und Mädchen, Feldarbeit hingegen Sache der Männer. Äthiopien kennt den Hakenpflug; noch heute wird zur Erntezeit auf Dreschplätzen das Getreide wie in alter Zeit mit Ochsen gedroschen, die Spreu durch Warfeln im Wind getrennt.
Die in Äthiopien am häufigsten angebauten Getreidesorten sind Teff (eragrostis teff), ein mineralstoffreiches, grasartiges Getreide, das für die beste endschera benötigt wird, Gerste, Weizen und Hirse.
Äthiopische Bauern sind ebenfalls Viehzüchter und das Land ist teilweise überweidet; Hirtenkinder sieht man überall, meist hüten sie eine sehr gemischte Herde.

Die beste äthiopische endschera wird aus teff gebacken; der Teig ist ein leichter Sauerteig und wird von nur einer Seite ohne Fett in einer großen speziellen Pfanne gebacken. Es sieht aus wie ein sehr großer Pfannkuchen. Dazu gibt es scharfgewürzten wot. Heute können sich viele Familien kein teff leisten und ernähren sich von endschera aus brauner Hirse und viel qollo, gerösteter Gerste. Gegessen wird mit der rechten Hand.
Honig ist in Äthiopien eine beliebte Leckerei: Er wird mit den Waben der röhrenförmigen Bienenkörbe geerntet, welche die Bienenzüchter hoch in den Bäumen aufhängen.
Äthiopien ist eines der Ursprungsländer des Kaffees. Hier hat sich bis heute eine eigene Kaffeezeremonie erhalten, die auch bei allen im Ausland lebenden Äthiopiern und Eritreern lebendig ist. Bei dieser Zeremonie, unverzichtbar bei festlichen und traurigen Anlässen, wird nach dem Essen zumeist von der Hausfrau - der Kaffee auf folgende Weise zubereitet: Rohkaffee wird in einer Pfanne über einem kleinen tragbaren Holzkohleofen geröstet, mit Gewürzen in einem Mörser zerstoßen und im Kaffeetopf auf Holzkohlefeuer gekocht. Er wird in kleinen Schalen serviert. In der noch glühenden Holzkohle werden Weihrauchstückchen verbrannt. Dazu gibt es qollo, geröstete Gerste oder auch Puffmais. Man nimmt sich Zeit und trinkt gemeinsam etwa drei bis vier der kleinen, starken Täßchen Kaffee.

Das jüdische Erbe

Die Legende der Königin von Saba, die zu König Salomon nach Jerusalem reiste und mit einem Sohn, Menelik I., dem Begründer der Salomonischen Dynastie in Äthiopien, zurück­kehrte, ist noch heute überall im Land gegenwärtig. Sie spielt für Äthiopien eine besondere Rolle. Historisch ist sie noch unge­klärt. Im Alten Testament wird sie zweimal erwähnt (1 Kön 10,1-13 und 2 Chr 9, 1-12). In Äthiopien wird sie im Buch Kebra Nagast (übersetzt: Eine Herrlichkeit den Königen = nämlich Thron und Herrschaft in Aksum) überliefert und die Dynastie der äthiopischen Herr-scher (der letzte war Kaiser Haile Selassie) in direkte Ver-bindung mit dem Haus König Salomos gebracht.

Das Kebra Nagast belegt die eschatologische Dimension im Verständnis der äthiopischen Kirche, das „Neue Volk Gottes“ zu sein und in Aksum, wo nach äthiopischer Tradition die Bun-deslade in der Kirche Maria Zion aufbewahrt wird, ein „Neues Jerusalem“ zu besitzen. Das jüdische Erbe der Christen-heit wird in keiner anderen Kirche so deutlich wie in vielen Elementen der Tradition der äthiopischen Kirche.

Der Sage nach holte Menelik I. die Bundeslade nach Äthiopien, die seither in der Kathedrale Maria Sion in Aksum liegen soll. Eine Nachbildung der Bundes­lade, der „Tabot", bildet das Zentrum und Allerheiligste jeder äthiopischen orthodoxen Kir­che. Bei Festen werden die „Tabotat“ in kostbare Tücher gehüllt auf den Köpfen der Prie­ster getragen.

Die „Beta Israel“

Heute leben nur noch wenige „Beta Israel“, die „schwarzen Juden“ Äthiopiens im Lande. Kurz vor dem Ende des Mengistu-Regimes gab es eine „Rückholaktion“ (Operation Moses) nach Israel, obwohl der Prozeß ihrer Anerkennung ihres „vortalmudischen“ Judentums lang und umstritten war. Noch weiß niemand genau, woher sie kommen: Es gibt Hypothesen über Nachkommen jüdischer Militärkolonien in Ägypten bis zu Exilanten aus Südarabien,  das im  5./6. Jh. teilweise judaisiert war. Ethnisch und sprachlich gehören sie zu den Agaw-Völ­kern, einer Minderheit in Äthiopien. Sie folgen einer christlich-äthiopischen Fassung der Tora.

Karte von Ähiopien mit Aksum

Die erste christliche Münze König Ezanas (ca.359-365) zeigt ein X in einem Kreis

Geschichte Kreuze Buch- Maltradition Arbeiten von A. Marx Feste Diaspora