Eine Kreuzigungs-Ikone aus Äthiopien

Diese abgebildete Ikone zitiert die Ikone Nr. IESMus4126 des Institutes of Ethiopian Studies in Addis Abeba, Äthiopien (Maße: 58 cm x 87 cm, geschlossen); sie wurde 1988 von Annegret Marx in Eitemperatechnik gearbeitet.
Die Ikone in Addis Abeba stammt aus dem späten 16.Jahrhundert und ist im Übergangstil dieser Zeit gestaltet. Sie wird der Werkstatt der „Meister der Kreuzigung“ zugeschrieben.

»Gelesen« wird diese Ikone von der rechten Seitentafel oben über die Mitteltafel, dann auf der linken Seitentafel oben weiter nach unten bis zur letzen Szene, der Auferstehung, unten rechts.

Beim Anklicken des jeweiligen Bildes mit der Maustaste öffnet sich das Einzelbild mit Text.

Die Gestaltung dieser Ikone wird offensichtlich von der Erinnerung an den Kampf gegen den islamischen Eroberer Mohammed Graññ bestimmt.
Dieser hatte das christliche Äthiopien im 16. Jh. in weitenTeilen verwüstet. Das Grab sieht aus wie ein Sheikh-Grab, die Grabwächter tragen einen Turban und das Gewand des aus dem Totenreich aufsteigenden Christus zeigt deutlich muselmanische Anklänge.
Trägt auch alles noch die Prägung des Feindes, so läßt sich die Auferstehung Jesu nicht verhindern, er ist stärker als alle äußeren Einflüsse. Die christliche Kultur Äthiopiens erhebt sich in der Folgezeit zur neuen Blüte der Gondar-Epoche.
Die Farben dieser Ikone werden vom starken Grün und Blau dominiert, beide Farben gehören in der äthiopischen Farbensymbolik in die Farbenfamilie der Farbe Schwarz. Es ist die Farbe Gott des Vaters, weil seine Geheimnisse unergründlich und tief sind.
Eine starkes gelbes Farbfeld in der Mitte des Kreuzigungsgeschehens verbindet die handelnden Personen. Es ist die Farbe des Heiligen Geistes, dessen Wirken alles zu Gott hinführt.
Rot ist die Farbe des Sohnes; es ist auch die Farbe des Blutes, des Lebens und des Feuers.
Die Farben der Bilder sagen: Das unergründliche Geheimnis des Vaters umfaßt und trägt die Hingabe des Sohnes am Kreuz und seine Auferstehung im Wirken des Heiligen Geistes.

Lit: Stanislaw Chojnacki, Ethiopian Icons, Skira Milano 2000, S. 377ff., Abb. S. 156f
( März 2007) A. Marx
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